14.
November
2021
BEYA - ein Berater*innen-
kollektiv findet sich

Wie vollzieht sich New Organizing in der Praxis? Diese Frage stellte sich das Team von Simon, Weber & Friends (swf) und darauf folgte auch gleich die Nächste: Wie finden wir es heraus?


Dies war der Startpunkt einer mehrjährigen Forschungsreise, die von swf initiiert und koordiniert und von Mitgliedern aus dem Alumni Netzwerk durchgeführt wurde. Nach einem ersten Aufruf fand sich schnell eine Truppe von etwa 50 Interessierten aus Beratung und Management, die eines gemeinsam hatten: Alle hatten eine systemtheoretische Perspektive auf Organisationen.


Forschungsfrage und Forscher waren also vorhanden. Nun fehlten noch Konzerne, die uns Einblick in ihre Organisationen gewähren würden. Diese wurden über Kontakte aus dem Alumni Netzwerk angesprochen und viele zeigten Interesse daran beforscht zu werden, um Einsichten über die eigene Transformation hin zu neuen Arbeitsformen zu erhalten.


In Österreich haben sich 8 Personen und zwei zu beforschende Organisationen gefunden, woraufhin sich auch gleich zwei Forscherteams gebildet haben. Unser Team, welches zu diesem Zeitpunkt aus zwei BeraterInnen und einem Manager bestand, wurde mit Unterstützung der Herausgeber um einen Studenten der Soziologie erweitert, der noch eine weitere Perspektive einbringen konnte.


Nachdem das Setup geklärt war, starteten wir voller Motivation los. Erste Interviewtermine mit relevanten Stakeholdern wurden festgelegt und wir stürzte uns in die Forschungsarbeit. Hier konnten wir das was uns verbindet, die Neugier und Faszination für organisatorische Veränderungsprozesse, voll ausleben. Und das spannende war, dies aus einer Forschungs- und eben nicht aus einer Beraterperspektive zu tun.


Wir führten die Interviews in unterschiedlichen Paar-Formationen durch und transkribierten sie für die weitere Analysen. Parallel zur Datengewinnung gab es gemeinsame Reflexionsschleifen, in den wir versuchten die Ergebnisse zu interpretieren und Hypothesen zu bilden, welche in den folgenden Interviews sofort wieder überprüft wurden. Der letzte empirische Meilenstein war eine teilnehmende Beobachtung über einen ganzen Arbeitstag bei einem agilen Team in der IT-Abteilung. Beim abschließenden Gruppeninterview wurden die sozialen und beziehungsrelevanten Dimensionen des Transformationsbestrebens in den Vordergrund gestellt.


Die gemeinsame Arbeit an den Interviews und deren Reflexion hat uns von Anfang an Spaß gemacht. Wir bemerkten jedoch erst durch die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und die gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung dabei, wie sehr wir sowohl persönlich als auch inhaltlich von dieser Zusammenarbeit profitieren.


Die Bildung des Teams war aber keineswegs eine leichte Aufgabe. Wie in jeder Gruppe mussten zuerst gruppendynamischen Prozesse verhandelt und Vertrauen gebildet werden, bevor sich jeder bestmöglich einbringen konnte. Ein gutes Beispiel hierfür ist das gemeinsame Korrigieren der individuell erstellten Texte. Zu Beginn war es für den jeweiligen Autor schwierig mit Feedback bzw. Kritik am eigenen Text umzugehen. Und umgekehrt war es für die anderen schwierig Feedback zu geben, weil man niemanden verletzen oder abwerten wollte. Wie man sich vorstellen kann, war dieser Prozess lange und anstrengend. Aber mit der Zeit stieg das Vertrauen und aus den einzelnen, individuellen Texten wurde ein Gemeinsamer und plötzlich ging alles viel schneller und einfacher und Angst und Unsicherheit haben sich in Freude und Stolz verwandelt.


Dies half uns auch die individuellen Stärken der Teammitglieder besser zu nutzen, einen langen Atem zu haben und die Motivation hochzuhalten. Jeder konnte sich bestmöglich einbringen und bei jeder neuen Revisionsschleife, welche uns von den Herausgebern auferlegt wurden, gab es ein kurzes Durchschnaufen und dann hatten wir wieder Spaß weiter daran zu arbeiten. Es war ein intensiver und anstrengender Prozess, bei dem aber auch sehr viel gelacht wurde, wodurch jede Frustration schnell vergessen war.


Als sich das Forschungsprojekt dem Ende näherte, alle Teams ihre Artikel abgegeben hatten und der Herausgeberband beim Carl-Auer Verlag erschien waren wir einerseits Stolz und Froh und andererseits standen wir etwas trist mit der Frage da: Und was jetzt? Da geht doch noch mehr! Das hat doch viel zu viel Spaß gemacht, um es jetzt ganz projektgetreu zu beenden. In den nahezu drei Jahren, die das Forschungsprojekt insgesamt gedauert hat, hat sich auch in unser aller Leben einiges getan. Die selbstständigen Berater in unserem Team wollten mehr Kontakt im täglichen Arbeiten, der Student hat ebenfalls in der Beratung Fuß gefasst und der Manager ist zu neuen Herausforderungen übergegangen.


So fassten die BeraterInnen den Entschluss ein Beraterkollektiv mit dem klingenden Namen BEYA zu gründen. Be Everything You Are. So wie wir uns als ganze Personen in diesen Forschungsprozess einlassen konnten, so wollen wir unsere prospektiven Kunden und ihre Mitarbeiter dabei unterstützen sich ganz auf ihre Transformation in Richtung neuer Arbeitsansätze einzulassen, und helfen diese produktiv zu gestalten.


Alles was wir auf dieser Forschungsreise mitgenommen haben, sowie unsere vorangegangenen Erfahrungen, unsere gemeinsame Ausrichtung und die Neugier, Faszination und Leidenschaft für organisatorische Veränderung, wollen wir unseren Kunden anbieten. Die Prozesse sind so weit eingespielt, klar getaktete Kommunikation, häufiger Austausch und Reflexion, fokussierte Zielorientierung und Vorgehen in Etappen erbringen gute Ergebnisse, die wir anschließend gemeinsam feiern können. Auf diese Weise haben wir unsere Reise als das Kollektiv BEYA gestartet und so wollen wir auch weiter machen..


Wir danken allen die uns bisher begleitet haben und freuen uns auf jene, die uns auf dieser Reise begegnen werden. Neugierig bleiben wir allemal!